Wir von HNF-NICOLAI bauen Premium e-Bikes ohne Kette. Tiny Houses bauen wir zwar nicht, aber auch bei HNF gibt es Menschen, die sich für Nachhaltigkeit, Minimalismus und Tiny Living interessieren. So sind wir auf Nessa aufmerksam geworden, eine erfolgreiche Youtuberin, die sich auf ihrem Kanal Nessa Elessar mit genau diesen Themen beschäftigt.

Tiny House statt Einfamilienhaus, dachten wir, das ist ja ein bisschen so wie e-Bike statt Auto. Was passiert wohl, wenn Nessa eines unserer Bikes testet? Also haben wir Kontakt aufgenommen. Und schon bald wurde klar: Das passt! Für ihren Test haben wir Nessa ein UD3 in Standard-Ausstattung zur Verfügung gestellt und ihr ausdrücklich keinerlei Vorgaben gemacht; sie hatte völlige redaktionelle Freiheit. Das Ergebnis: Nun… Seit fast drei Monaten fährt Nessa jetzt mit dem UD3 aus dem Pool unserer Demo-Bikes. Inzwischen befürchten wir allerdings, dass wir das Rad nie wieder sehen werden, obwohl das nicht vorgesehen war. Warum das so ist, erfahrt ihr in Nessas sehr ausführlichem Video. Unter dem Video gibt es dann auch noch ein äußerst lesenswertes Interview.

Seit wann bist du auf YouTube und wie hat bei dir alles angefangen? Woher kommt dein Interesse für Nachhaltigkeit und Minimalismus?

Mit YouTube angefangen habe ich 2016 aus einer Laune heraus. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon jahrelang die wachsende Let’s-Play-Nische verfolgt und mir immer gedacht „das hast Du doch früher auch gemacht, Videospiele gespielt und kommentiert“. Schon als Kind hatte ich mich dazu mit meinem MP3-Player aufgenommen. Aber jetzt gab es diese spannende und stetig wachsende Videoplattform, die mir ganz neue Möglichkeiten eröffnete. Ich schnappte mir ein Mikrofon und eine mittelmäßige Webcam und legte los. Dass ich mit dem Spielen von Videospielen Geld verdienen könnte, war damals noch eine vage Hoffnung für die Zukunft. Im Laufe des nächsten Jahres wurde es zur Realität. Den ‚Durchbruch‘ im Sinne einer finanziell tragfähigen Selbständigkeit hatte ich dann mit meinem zweiten Kanal, auf dem ich seit 2017 den Bau meines Tiny Houses begleite, inklusive meiner Wohnerfahrungen und weiteren Themen des Lebens. Wie auch beim Gaming hatte ich schon lange vor meinen ersten Videos das Interesse an einem nachhaltigeren, minimalistischen Lebensstil. Teilweise wurde mir das von zuhause mitgegeben, teilweise habe ich im Studium begonnen, mich dafür zu interessieren. Ich war eine Zeit lang in der Vegan-Bewegung recht aktiv, habe versucht, müllfrei zu leben und allgemein viel ausprobiert. Inzwischen bin ich bei etwas angekommen, was ich Öko-Pragmatismus nennen will, also einem im Alltag umsetzbaren Lebensstil mit geringem ökologischen Fußabdruck – ganz ohne schlechtes Gewissen oder strengen Regeln. Das versuche ich meinen Zuschauern zu vermitteln.

Wohnen und Mobilität sind Grundbedürfnisse des Menschen. Gleichzeitig sind es auch diejenigen Lebensbereiche, für die die Menschen in Deutschland oft einen wesentlichen Teil ihres Einkommens ausgeben. Mit deinem Fokus auf Minimalismus zeigst du, wie Lebensqualität auch in kleinem Maßstab funktioniert. Damit triffst du offenbar einen Nerv der Zeit. Glaubst du, dass der Trend nachhaltig ist? Wie wird unsere Mobilität und unser Wohnen in 20 Jahren aussehen?

Wohin uns die aktuelle Wohnkrise und die Rohstoffknappheit führt, lässt sich im Moment schwer voraussagen. Aber ich denke, es gibt ein paar Trends, die wir beibehalten sollten, um eine zukunftsfähige Balance zwischen Wohlstand und Verantwortung zu erreichen. Im Bereich Wohnen sehe ich die Verkleinerung der Wohnfläche als wichtigen Punkt, gerade in Neubauten. Wenn wir uns die durchschnittliche Wohnfläche in Deutschland ansehen, dann stellen wir in der jüngeren Vergangenheit einen gewaltigen Aufwärtstrend fest. Ein Teil davon ist sicher gerechtfertigt. Dass Kinder beispielsweise irgendwann ihr eigenes Zimmer haben, gilt heute als Standard und ist gut so. Da aber im gleichem Zuge mit der Wohnfläche auch der Konsum von Dingen wie Kleidung, Verbraucherelektronik etc. stark angestiegen ist, lässt sich feststellen, dass ein beträchtlicher Anteil unseres Wohnraums zur Aufbewahrung von Dingen verwendet wird – von Dingen, die wir häufig gar nicht alle benutzen können. Ich sehe deshalb die bewusste Beschränkung auf weniger und hochwertigeren Besitz, den wir intensiver nutzen, als wichtigen Schritt hin zu besagter Balance. Wir wollen, dass es den Menschen gut geht, aber wir müssen auch Verantwortung für unseren Rohstoffverbrauch übernehmen. Zudem kann man immer wieder feststellen, dass ab einem bestimmten Punkt mehr Wohlstand nicht mehr mit mehr Zufriedenheit einhergeht.

Mit der Mobilität verhält es sich ähnlich. Ich denke nicht, dass es sinnig ist, Menschen grundsätzlich das Fliegen oder das Autofahren mit einem Verbrenner verbieten zu wollen, um Treibhausgase einzusparen. Die Entdeckung der Welt mag vielleicht kein Grundbedürfnis sein, sicher aber ein wichtiger Beitrag zum Zusammenwachsen der Menschen im sozialen Sinne. Ich plädiere deshalb für bewusstes, möglichst sozial- und umweltverträgliches Reisen, und zwar im Urlaub wie auch im Alltag. Am Individualverkehr werden wir hier nicht vorbeikommen. So sehr ich für den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel bin, ist es eben auch wichtig, an den Ergänzungen zu arbeiten, die alles abdecken, was Bus und Bahn nicht schaffen. Das gilt ganz besonders auch auf dem Land. Hier sehe ich auch die Rolle der E-Bikes als Bindeglied zwischen sportlicher Betätigung und flexiblem Transportmittel. Mit der elektrischen Unterstützung schaffe ich viel weitere Strecken als mit dem normalen Rad oder zu Fuß, gleichzeitig kann ich auch mehr Gepäck transportieren. Wenn man damit das Auto ersetzen kann, ist das eine gute Sache. Wenn man die aktuelle Entwicklung weiterverfolgt, gehe ich davon aus, dass in einigen Jahren noch deutlich mehr E-Bikes nachgefragt werden.

Seit wann benutzt du das E-Bike und wie häufig ungefähr?

Das UD3 habe ich seit Anfang April in Benutzung. Ich pendle damit jede Woche zu meinem Freund und wieder zurück, außerdem nutze ich es für kleinere sportliche Touren und Einkäufe. In den ersten zwei Monaten sind damit schon knapp dreihundert Kilometer zusammengekommen, von denen ich das Meiste normalerweise mit dem Auto oder dem Bus zurückgelegt hätte. Klar, der Bus fährt sowieso – aber eben nur selten. Mit dem Rad bin ich flexibler, kann mehr Gepäck transportieren, habe mich an der frischen Luft bewegt und etwas von der Umgebung gesehen. In meinem Fall führt die Strecke sogar fast ausschließlich durch den Wald. Darauf freue ich mich jede Woche. Weil das UD3 ja nicht nur als Citybike gut funktioniert, sondern auch als Mountainbike, fühle ich mich auch auf den Schotterpisten wohl damit und habe zunehmend Freude am Cruisen durch den Wald entwickelt. Mit der elektrischen Unterstützung und dem starken Akku habe ich immer eine kleine Versicherung dabei – wenn mir mal die Puste ausgeht, schalte ich eine höhere Unterstützung ein und schaffe es problemlos nach Hause.

Du bist selbstständige Youtuberin, sicher verschmelzen Freizeit und Arbeit bei dir deshalb mehr als bei anderen Menschen. Dennoch: siehst du die Vorteile des e-Bikes eher im Bereich von Freizeit oder im Bereich der Arbeit?

Sowohl als auch. Das wöchentliche Pendeln mit dem E-Bike hat mir gezeigt, dass ich mit elektrischer Unterstützung auch einen täglichen Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz  zurücklegen würde – was ich früher und mit einem normalen Rad nie lange durchgehalten habe. In der Freizeit stelle ich außerdem fest, dass ich viel häufiger eine Radtour in Erwägung ziehe, weil ich weiß, dass ich mit elektrischer Unterstützung weiter komme und am Ende nicht ganz so fix und fertig bin, wenn ich es nicht möchte. Ich finde, das ist es, was ein zukunftsträchtiges Verkehrsmittel idealerweise ausmachen sollte – dass es mehrere Funktionen vereint, sodass nicht für jeden Anwendungsfall ein anderes Verkehrsmittel zum Einsatz kommen muss. Wenn ich, wie mit dem UD3, Mountainbike fahren, pendeln, einkaufen gehen und entspannte Touren mit dem Partner machen kann, dann erfüllt das genau diese Anforderung.

Tiny Houses und Elektromobilität sind beides Themen, die in der öffentlichen Wahrnehmung einen großen Raum einnehmen. Beide Themen brauchen aber auch Rückenwind aus Politik und Gesetzgebung. Was müsste nach deiner Meinung passieren, damit die Menschen weniger Auto und mehr Fahrrad und E-Bike fahren?

Die Politik schafft Anreize hauptsächlich über Subventionierung. Da aktuell die E-Mobilität im Automobilbereich stark subventioniert wird, halte ich es für konsequent, das auf den Bereich E-Bikes auszuweiten. In Ansätzen ist das bereits im Gange, zum Beispiel über die Subventionierung von E-Bikes als Dienstfahrzeugen. Ich denke dennoch, dass vielen Menschen noch nicht bewusst ist, dass das Rad mit elektrischer Unterstützung für sie eine grundsätzliche Alternative zum Auto sein könnte. Diese Verknüpfung zu schaffen ist einerseits Aufgabe der Hersteller und Verbände, andererseits sollte die Politik dafür aber auch die Grundlage schaffen. Ich könnte mir dabei so etwas vorstellen wie ein Prämiensystem für Menschen, die bewusst auf ein Auto verzichten und stattdessen ein normales Rad, ein E-Bike und/oder die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Lediglich sanften Druck auszuüben, von einem Verbrenner auf ein elektrisch betriebenes Auto umzusteigen, wie es aktuell passiert, schafft noch keinen Anreiz, die Gewohnheiten im Alltag grundsätzlich zu überdenken. Zudem gelten viele Subventionierungen aktuell noch nicht für Privatpersonen, sondern nur für Unternehmen – was zwar schon ein erster Schritt ist, aber da ist noch viel Luft nach oben.

Gibt es sonst noch etwas, was man über dich wissen sollte?

Die ersten zwei Monate mit dem UD3 haben mir wirklich viel Spaß gemacht und ich habe mit dem Rad eine ganz neue Freiheit für mich entdeckt. Ich bin gespannt, wohin mich mein Weg noch führt – ein ausführliches Video zum Rad und meinen Erfahrungen habe ich ja bereits gemacht