Friends Story II/2018 – Sascha Zander

Letztlich bin ich in der Stadt viel schneller unterwegs als mit dem Auto

Friends Story III/2018 – Sascha Zander

Letztlich bin ich in der Stadt viel schneller unterwegs als mit dem Auto

Sascha Zander wurde 1968 in Düsseldorf geboren. Sein Architekturstudium in Düsseldorf und London hat er 1997 mit einem Diplom zum Thema Städtebau in Aachen abgeschlossen.Zwei Jahre später gründete er mit seinem Partner Christian Roth das auf Wohnungsbauprojekte spezialisierte Architekturbüro zanderrotharchitekten in Berlin. Mit einem eigenes entwickelten Baugruppenkonzept, das sich durch innovativen, experimentellen und kostengünstigen Wohnungsbau auszeichnet wurden zahlreiche Bauprojekte in Berlin realisiert und schließlich mit den wichtigsten nationalen und internationalen Architekturpreisen prämiert.
www.zanderroth.de

1. Was machst du, wenn du nicht gerade auf deinem eBike unterwegs bist?

1999 habe ich mit einem Partner ein Architekturbüro in Berlin gegründet. Dort befasse ich mich hauptsächlich mit Wohnungsbau und mit der Frage wie wir in der Zukunft wohnen werden.
Inzwischen haben sich daraus zwei Firmen mit 30 Mitarbeitern entwickelt. Die eine ist zanderrotharchitekten und die andere ist SmartHoming, mit der wir Wohnungsbauprojekte entwickeln. Wir sind in Berlin das einzige Architekturbüro, das zu 50% aus Eigenentwicklungen lebt. Wir sind also unser eigener Kunde und das macht es besonders interessant. Wir bauen das, was wir entwerfen, ohne einen fremden Kunden zu haben. Bis heute haben wir 1.000 Wohnungen entwickelt und 600 gebaut.

Das hat im „alten Berlin“ sehr gut funktioniert und ist im „neuen Berlin“ äuserst anstrengend. Vor ungefähr fünf Jahren hat ein Wechsel stattgefunden. Berlin hat sich armgeredet, für das sich wenige Immobilienentwickler interessiert haben. Kaum Banken und wenig Projektentwicklungskonzerne. Heute haben sich viele internationalen Projektentwickler etabliert und entdeckt, dass Berlin eigentlich nichts Anderes ist, als jede andere europäische Großstadt. Und aktuell sogar den größten Entwicklergewinn in Europa verspricht. Das hat diese Stadt deutlich verändert. In zehn Jahren sind die Grundstücke zehnmal so teuer geworden. Von 250 Euro pro Quadratmeter auf 2.500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

2. Seit wann fährst du eBike?

Ich komme vom Land und bin früher sehr viel Fahrrad gefahren. Sogar die anfängliche Suche nach interessanten Grundstücken in Berlin habe ich in erster Linie auf dem Rad gemacht. Letztlich hat mir Berlin dann aber den Spaß am Radfahren leider genommen. Die Stadt ist nicht fahrradfreundlich und schließlich wurde mir mein Rad, das ich schon besaß, seitdem ich 14 war geklaut. Da ich dann auch noch eine Leidenschaft für Autos entwickelt habe, ist das Thema etwas in Vergessenheit geraten und ich bin erst vor kurzem darauf gekommen, mir ein eBike zuzulegen.

3. Welche Rolle spielt das eBike in deinem Leben?

Da ich ja erst seit kurzer Zeit zu den eBikern gehöre, müsste die Frage wahrscheinlich eher lauten „Welche Rolle wird das eBike zukünftig in deinem Leben einnehmen“ und da bin ich sehr zuversichtlich, dass diese Rolle immer größer und wichtiger wird. Ich werde mit Sicherheit wieder mehr auf dem Rad sitzen und auch mal aus der Stadt rausfahren. Seitdem mir die Idee gekommen ist, das eBike in unserem Büro zu teilen, wird es bestimmt nicht nur in meinem Leben eine Rolle spielen, sondern auch im Arbeitsalltag und hoffentlich im Leben einiger Mitarbeiter.

4. Fan der ersten Stunde oder schließlich überzeugter Kritiker?

Ich war nie ein Kritiker des eBikes. In Berlin steht man die ganze Zeit im Stau. Mit dem „normalen“ Fahrrad zu fahren, führt aber dazu, dass man anfängt zu schwitzen und bei Terminen verschwitzt anzukommen ist für mich keine Option. Mit dem eBike ist das Problem gelöst. Letztlich bin ich in der Stadt viel schneller unterwegs als mit dem Auto.

5. Keller, Garage oder Schlafzimmer?

Wie schon gesagt, stelle ich mein eBike unserem Büro, also unseren Mitarbeitern zur Verfügung. Daher wird es in der Tiefgarage eine Ladestation geben, so dass jeder spontan darauf zugreifen kann, wenn es etwas im Umkreis zu erledigen gibt. Wir bieten aktuell schon CarSharing an, aber ich bin der Meinung, dass ein eBike hier viel sinnvoller genutzt werden kann. Es ist schon vorgekommen, dass ich mein Rad auch ins Wohnzimmer gestellt habe, aber eigentlich bin ich nicht der Typ, der sich Autos oder Fahrräder in die Wohnung stellt.

6. Eco oder Turbo?

Hauptsache „unanstrengendes Fahrradfahren“. Turbo würde ich nicht sagen.

7. Optik oder Technik?

Ich würde das eigentlich immer nach Optik und selten nach Technik entscheiden. Aber es wäre natürlich auch schwierig, wenn das Bike nicht funktioniert – das würde dann auch nicht gehen. Eigentlich kaufe ich fast alles nach optischen Gesichtspunkten. Selbst wenn ich mich voll in die Technik reinfuchsen würde, könnte ich kein hässliches eBike kaufen. Das würde nicht gehen und ich würde es auch kaum benutzen.

Ich habe mir neulich eine Kamera gekauft und die habe ich nach technischen Gesichtspunkten ausgesucht. Bis heute habe ich sie nicht benutzt. Ich hätte besser eine Leica kaufen sollen.

8. Was fasziniert dich an deinem eBike am meisten?

Mich hat vor zehn Jahren bei der Vorstellung der Grace eBikes der integrierte Akku am meisten fasziniert. Jetzt ist mir als erstes aufgefallen, dass es „zurück“ zur Integration geht und das freut mich natürlich. Außerdem finde ich den Zahnriemenantrieb sehr toll.

9. Was hat das eBike für dich oder sogar bei dir verändert?

Ich lasse mein Auto einfach mal stehen und fahre mit dem eBike. Ist das nicht eine schöne Aussage für das Interview (lacht)? Aber das wird immer öfter passieren. Da gibt es doch dieses „Tesla Ding“, dass man grinsen muss, wenn man Gas gibt. Beinahe diesen Effekt hat das eBike bei mir.

10. Welchen Ort sollte man per eBike entdecken?

Wenn es um Architektur in Berlin geht, empfehle ich einen Besuch der Neuen Nationalgalerie (nach Wiedereröffnung), der Philharmonie und der Staatsbibliothek von Hans Scharoun, des Grimm-Zentrums von Max Dudler, der James Simon Galerie auf der  Museumsinsel (nach Fertigstellung),  und auch immer wieder das Hansaviertel in Berlin. Hier gibt es sehr gute Wohnungsbauten (1955-1960) zu sehen, die heute in Berlin leider sehr viel seltener entstehen.

11. Wie ist deine Vision von (urbaner) Mobilität in Zukunft

Ich wohne direkt über meinem Büro und muss daher nicht zur Arbeit fahren. Leider müssen die meisten Menschen zur Arbeit fahren. Es wäre sehr erstrebenswert die Städte stärker mit Wohnungen und Büros zu durchmischen, um kurze Wege zu schaffen. Das eBike kann in unseren Breiten insbesondere zwischen März und Oktober eine präferierte Fortbewegungsmethode werden. Im Winter bin ich da eher pessimistisch. Berlin müsste dem Fahrradverkehr deutlich mehr Raum geben und verhindern, dass Radfahren so riskant ist.